Baumpflege Jochen Stingl Baumpflege Jochen Stingl

Die verschiedenen Baumschnitt-Maßnahmen im Überblick

 

 

Totholz

Unter der Schnitttmaßnahme Totholz versteht man das Entfernen aller abgestorbenen Äste ab einer Stärke von 3 Zentimetern wie festgelegt in der ZTV-Baumpflege.
Diese Maßnahme gehört zur Verkehrssicherheitspflicht eines jeden Baumbesitzers, da durch herunterfallende Totäste Verletzungen oder Schäden entstehen können.
 
 
 

Lichtraumprofil



Das Lichtraumprofil ist ebenfalls eine Maßnahme innerhalb der Verkehrssicherheitspflicht. Es beschreibt den Freiraum zwischen Boden und Ästen.
In der ZTV ist ein Lichtraumprofil von 4,50 m über Straßen und 2,50 m über Gehwegen festgelegt. So sollen auch LKWs unter Bäumen hindurch fahren können ohne dass Äste auf ihrem Dach schleifen und Fußgänger wie Radfahrer laufen bzw. fahren können ohne durch Äste behindert zu werden. 
 
 
 

Dach-und
Fassadenschnitt

Bäume stehen oft dicht an Häusern, Garagen oder ähnlichem.
Nicht selten müsste man richtigerweise eigentlich sagen, Bauwerke wurden in der Vergangenheit oft zu nah an Bäumen gepflanzt. Auch wachsen Bäume über Ihren Standort hinaus und ragen auf Dächer und Balkone. Hier können Dächer und Fassaden durch schwache, einseitige Einkürzungen frei geschnitten werden, die ZTV-Baumpflege sieht dabei einen Abstand von 1,50 m vor.
In seltenen Fällen ist dies nicht möglich ohne dem Baum einen größeren Schaden zuzufügen, z.B. wenn der Stamm selbst zu nah am Haus steht. Dann muss über eine andere Lösung oder kleinere Schnitte nachgedacht werden, auch wenn der erforderliche Abstand so nicht zu erreichen wäre.
 
 
 

Kronenpflege

Die Kronenpflege ist die Komplettbehandlung für den Baum, quasi das Rundum-Sorglos-Paket.
Dazu gehören Totholz entfernen, Lichtraumprofil herstellen, der Dach- und Fassadenfreischnitt, das Herausnehmen von reibenden Ästen in der Krone und das Einkürzen einzelner (!) überlanger Äste zur Entlastung. Sollten mehrere Äste eingekürzt werden müssen, um die Bruchsicherheit wiederherzustellen, handelt es sich um eine seperate Maßnahme, die Kronenteil- oder Kroneneinkürzung.

 
 
 

Kronen-
einkürzung


 
Das Einkürzen eines Baumes kann aus verschiedenen Gründen notwendig oder erwünscht sein: Entweder ist ein Baum zu groß für seinen Standort geworden oder seine ausladenden Stämmlinge / Äste stellen eine Gefahr da.
Wenn sehr lange und lastige Äste nicht im Verhältnis zu ihrer Dicke stehen, besteht die Möglichkeit, dass sie bei widrigen Wetterverhältnissen (Wind, Starkregen, Schnee) ausreißen oder abbrechen und so Schäden oder Verletzungen verursachen. Auch die mehr oder weniger stabile Anbindung der Äste an den Stamm (U-Form, V-Form) beeinflusst die Windbruchsicherheit, ebenso wie Spechtlöcher, Faulstellen, Unglücksbalken und ähnliche Schwachstellen.
Da grade alte Bäume schwächer und damit anfälliger sind, diese aber absolut schützenswert sind, haben Einkürzungen hier einen vorbeugenden und erhaltenden Charakter. Zudem wird durch einen Windbruch der Baum selbst beschädigt und an der Verletzungsstelle entsteht eine Eintrittspforte für Pilze und Fäule.

Schon leichte Entlastungen der gesamten Krone oder auch nur der betroffenen Kronenteile (Kronenteileinkürzung) minimieren die Bruchgefahr von Bäumen.
Eine starke Einkürzung ist nur in Ausnahmefällen vorzunehmen und muss unter Umständen (je nach Baumschutzsatzung, meist Einkürzungen über 25-30 Prozent) genehmigt werden, da dies ein starker Eingriff in das Baumhabitat ist und diesen schwächt.
Eine Einkürzung der gesamten Krone oder von Kronenteilen kann auch dann notwendig sein, wenn der Platz zu dem oder den Gebäuden rundherum immer knapper wird, der Baum aber erhalten bleiben soll und ein Dach-/Fassadenfreischnitt allein nicht mehr ausreicht. Auch hier sollten leichte Einkürzungen bevorzugt werden, da bei starkem Rückschnitt auch ein starker Nachtrieb zu erwarten ist.

Eine Alternative zur Kroneneinkürzung ist das Installieren eines Kronensicherungssystems im Baum.
 
 
 
 

Nachbehandlung gekappter Kronen

 

Sind Bäume in der Vergangenheit sehr stark und unfachmännisch eingekürzt, also gekappt worden, dann reagiert der Baum auf diesen übermäßigen Blattverlust mit dem Nachtrieb von unzähligen Neutrieben (Überlebenstrieb).
Diese sogenannten Ständer, die sich auf den Kappstellen bilden, sind aufgrund des Schnellwuchses schlecht angebunden und bestehen aus schwachem (brüchigem) Holz. Als Folge besteht nach einer Kappung daher eher das Risiko, dass Ständer ausbrechen, oder auch ganze Äste, da durch die vielen Nachtriebe die Last schneller hoch ist als bei normalem Wuchs. Jeder Baum reagiert allerdings mit unterschiedlichem Wuchs auf eine Kappung, daher ist eine Nachbehandlung stark gekappter Bäume eine sehr individuelle und anspruchsvolle Schnittmaßnahme. Sie zielt darauf ab, die Last insgesamt zu mindern, sei es durch das Vereinzeln der Ständer an den Kappstellen oder/und durch das Einkürzen der Ständer selbst.
 
 
 

Fremdbewuchs entfernen


 
Typisch für den Fremdbewuchs eines Baumes ist der Efeu, es können aber auch andere Rankpflanzen möglich sein (Wein, Knöteriche…).
Soll der Fremdbewuchs entfernt werden, z.B. weil er so stark um den Baum rankt, dass Gefahr besteht, dass Leitungsbahnen des Baums abgeschnürt werden, prüfen wir vorher, ob besetzte Nester darin sind. Aufgrund artenschutzrechtlicher Bestimmungen darf Efeu in der Brutsaison daher nicht komplett entfernt werden. Hier ist nach Situation vor Ort zu handeln.
 
 
 

Jungbaumschnitt

Der Jungbaum- oder Erziehungsschnitt zielt auf die Entwicklung und den Aufbau der gewünschten Baumkrone ab.
Dabei werden bei Jungbäumen unerwünschte Äste entfernt (z.B. mittig in die Baumkrone wachsende oder aneinander reibende Zweige), der Astansatz kontrolliert (ggf. untere zweige entfernt, damit im späteren Stadium das Herausnehmen großer Äste für das Lichtraumprofil vermieden wird) und ein zentraler Leittrieb herausgestellt. Umso gründlicher hier gearbeitet wird, umso weniger Schnitte an dickeren Ästen (=größere Verletzung) sind am älteren Baum notwendig. Kleinere Schnitte werden vom Baum besser vertragen / überwallt.
Der Jungbaumschnitt an Obstbäumen ist etwas spezieller und wird daher individuell durchgeführt.