Baumpflege Jochen Stingl Baumpflege Jochen Stingl
 
 

Wintertipps

Entscheidend für den richtigen Schnittzeitpunkt sind die verschiedenen Phasen, die eine Pflanze in einem Jahr durchläuft. In diesen Phasen reagiert sie unterschiedlich auf äußere Eingriffe.

 

    
  • Im zeitigen Frühjahr muss die Pflanze aus eigener Kraft den Saftfluss anregen um die Knospen zum Austrieb zu bringen. Dies geschieht mit Hilfe eingelagerter Stoffe, da noch keine Photosynthese stattfindet.
  • Im späten Frühjahr bis zum Sommer laufen die meisten Wachstums- und Photosyntheseprozesse ab.
  • Im Spätjahr lagert die Pflanze Reservestoffe ein, die sie für den Austrieb benötigt.
  • Im Winter ruhen alle Vorgänge in der Pflanze.
 
 
 
Diese verschiedenen Phasen führen zu völlig unterschiedlichen Reaktionen der Pflanze auf einen Eingriff:
In der Zeit des Knospenbruchs und des ersten Austriebes, sowie im Spätjahr zur Zeit der Blattfärbung, befinden sich die Pflanzen in ihrer schwächsten Phase und sollten daher in dieser Zeit nicht geschnitten werden.

Während der Ruhephase im Winter kann eine Pflanze nicht auf einen Schnitt reagieren, das heißt Schaderreger wie Baumpilze können in dieser Zeit ungehindert ins Holz eindringen. Das Behandeln der Wunde mit Wundverschlussmittel bringt oft nicht die gewünschte Wirkung, da sich die Keime direkt nach dem Schnitt auf der Wunde festsetzen.

Des weiteren wird ein Gehölz auf einen Winterschnitt meist mit einem extrem starken Neuaustrieb reagieren, so dass die gewünschte Wirkung des Auslichtens schnell zunichte ist. Wird dieser starke Rückschnitt im Winter über mehrere Jahre praktiziert, kann dies die Pflanze stark schwächen.

In der Zeit der vollen Belaubung kann eine Pflanze auf einen Eingriff am besten reagieren, es findet direkt ein Einsetzen der Wundüberwallung statt und viele Krankheitserreger werden durch biochemische Prozesse von einem Eindringen in die Pflanze abgehalten.
 
 
 

Sommertipps

  
Der Sommerschnitt bringt neben der Pflanzengesundheit auch noch einige andere Vorteile mit sich:
  • Auslichtungsmaßnahmen zeigen sofort ihre Wirkung.
  • Abgestorbene, sowie kranke und von Schädlingen befallene Pflanzenteile sind leicht zu erkennen und können entfernt werden.
  • Bei Obstbäumen führt mehr Sonneneinstrahlung zu einer besseren Fruchtreife.
  • Ein starker Neuaustrieb findet nicht statt.
  • Frische Wasserschosse können im Juni ausgebrochen werden, damit werden auch die Augen am Astansatz entfernt.
 
 
 
Sicherlich kann der Sommerschnitt auch einige Nachteile haben:
· Der Kronenaufbau der Pflanze ist oft schwerer zu erkennen.
· Die schweißtreibende Arbeit des Schneidens kann im Sommer eher unangenehm sein.

Gesetzeslage beim Sommerschnitt
Im Bewusstsein der meisten Bürger und Kommunen ist verankert, dass zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht geschnitten werden darf. Es gibt jedoch keine bundeseinheitliche Regelung zur Schnittzeit. Wann und wie geschnitten werden darf regelt das jeweilige Landesnaturschutzgesetz.

Fazit: Sicherlich gibt es nicht den richtigen Schnittzeitpunkt, so findet z.B. der Schnitt an einigen Ziergehölzen wie an Rosen, vielen sommerblühenden Sträuchern und Weinreben im zeitigen Frühjahr statt. Aus Sicht der Pflanzengesundheit ist es jedoch sinnvoll, gerade größere Schnittmaßnahmen im Sommer zu erledigen.
Gehölze, die zu einem starken Saftfluss (bluten) neigen, sollten nur im Sommer geschnitten werden. Dazu gehören z.B. Kirschen, Ahornarten, Birke, Hainbuche und Walnuss.